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II. Das dritte Jahr des blauen Zuges

Prolog

6. Geburtstag: Das dritte Jahr des blauen Zuges

12. Geburtstag

18. Geburtstag

Im dritten Jahr des blauen Zuges war ihr Geburtstag. Sie wurde jetzt 6 Jahre alt und heute Abend traf ihr Geburtstag zum ersten mal seit ihrer Geburt wieder auf den Tag an dem die Leuchtalgen die Nacht zum Tage machten.
Kalem erwartete sehnsüchtig den Abend an dem sie mit ihrem Vater hinauf zum Algenzug schwimmen und das Licht sie umfließen fühlen konnte. Ihr Vater würde sie heute bis hinauf bringen doch dann durfte sie alleine in den Strom schwimmen und spielen.
Ihr Vater Jelar würde auf sie warten und trauern, denn heute vor 6 Jahren war seine Frau verstorben und der Zug der Algen würde den Tag wieder aufleben lassen an dem sie ihr Leben für das Leben seiner Tochter gab. Kalem aber hatte er gesagt sie solle ihren großen Tag feiern und er würde ihr zuschauen und sich mit ihr Freuen. Sie sollte nichts von seiner Trauer bemerken.

Als es endlich Abend wurde saßen sie gemeinsam an der Transparenten Kuppel. Bald würde der blaue Zug beginnen und sie mussten vorher noch hinauf schwimmen.
Zuvor hatte Kalem die üblichen Ermahnungen an ein kleines Mädchen bekommen nicht zu übermütig und vorsichtig zu sein, doch Kalem hatte nur die Abenteuerlust eines kleinen Kindes im Sinn.
Nun ging es los…sie waren kaum nach oben Geschwommen, da begann das Spektakel auch schon.
„Ab mit dir!“ meinte ihr Vater nur mit einem Lächeln und Kalem sauste los. Von unten beobachtet sah man blaue Wirbel aus Licht die um Kalem herum flossen während sie hin und her schwamm und versuchte den ein oder anderen Wirbel einzufangen. Ab und zu sah sie zu ihm herunter und er winkte ihr, bis sie am Ende müde zu ihm nach unten sank und er sie nach Hause in ihr Bett brachte.

Am nächsten Morgen sollte, wie es Tradition war, Kalems erster Tag in der Schule sein. Da Jelar wusste wie verspielt und ungeduldig Kalem immer war gab es ihr Lieblingsfrühstück und das Versprechen auf eine Belohnung „wenn du mich heute stolz machst!“.
Auf dem Weg zur Schule tobte Kalem um ihn herum und kaum an der Schule angekommen umarmte sie ihn und rannte ohne zurück zu schauen sofort in das Gebäude, während Jelar zur Arbeit ging.

Voll Vorfreude rannte Kalem zur Klasse. Im Klassenraum warteten schon mehrere andere Kinder geduldig auf ihren Plätzen, doch es war noch kein Lehrer da. Schnell hatte sie Anschluss gefunden und als der Lehrer nach einer Weile immer noch nicht da war begannen sie zu spielen.
Nach einer Weile kam endlich der Lehrer stoppte das Spiel und der Unterricht begann. Während dem Unterricht versuchte Kalem sich anzustrengen, aber als sie merkte, dass sie nicht mitkam begann sie sich schnell zu langweilen und am Ende des Tages hatte sich der Lehrer bereits mehrfach über ihr störendes Verhalten beschwert.

Nach der Schule wartete sie vor dem Gebäude lange auf ihren Vater. Nach einigen Stunden fand ihr Lehrer sie und brachte sie nach hause. Doch niemand war zu hause und so brachte er sie weiter zu den Ordnungskräften.
Kalem war es gewohnt, dass ihr Vater lange arbeitete. Er war Gräber in den Tunneln und seit das Projekt zum Versenken des Systemaußenpostens angelaufen war wurde es von Tag zu Tag immer später.
Sie sah es als Strafe, oder fehlende Belohnung, da sie es heute nicht geschafft hatte ihn stolz zu machen und ließ sich von ihrem Lehrer in das Ordnungsamt bringen.
Auf einem Platz an der Rezeption wartete sie, während ihr Lehrer mit einer der Ordnungskräfte sprach.
Während sie ihn beobachtete sah sie, wie sie die Sorgen an der Farbe seiner Haut ablesen konnte. Nervös sah er sich zu ihr um und sie versuchte unter all den Fremden möglichst unschuldig und unauffällig auszusehen.
Als er zu ihr zurück kam brachte er jemanden mit, der sich zu ihr herunter beugte und ihr in die Augen sah.
„Hallo du“ meinte er nur, „Du weißt was mit deiner Mutter passiert ist?“,
sie nickte.
„Dein Vater…ist jetzt bei ihr…“
Für einen kurzen Moment verstand sie nicht was er meinte, dann offenbarte es sich ihr grausam…
„Du hast ihn sicher Stolz gemacht“ meinte der Mann noch, doch Kalem schüttelte den Kopf, ohne ein Gefühl zu zeigen, ohne ein Gefühl zeigen zu können, obwohl ihr inneres brannte wie Feuer.
In den folgenden Tagen schwor sie ihren Vater nie wieder zu enttäuschen. Sie wollte ihn stolz machen.

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