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letztes update: 17.06.2015

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Fukushima, die trügerische Sicherheit einer gefährlichen Technologie

25 Jahre nach Tschernobyl treibt eine Katastrophe im Kernkraftwerk in Fukushima (Japan) den Menschen den Angstschweiß auf die Stirn und zeigt ihnen wie unkontrollierbar die Kernenergie immer noch ist.
Warum wiederholt sich die Geschichte? War die erste Katastrophe nicht schlimm genug um zu zeigen, dass die Restrisiken zu groß sind?
In Tschernobyl war es aufgrund technischer Mängel des Reaktors als auch aufgrund von Fehlern in der Bedienung, also aufgrund von menschlichem Versagen, zum Super-GAU gekommen.
Man lernte aus der Katastrophe und versuchte durch technische Verbesserungen die Gefahren zu minimieren und eine Katastrophe zu verhindern.
Andere Probleme der Kernkraft wurden allerdings nicht gelöst, häufig zitiertes Beispiel ist die Suche nach einem geeigneten Endlager.
In der Folge von Tschernobyl wurde immer wieder auf die hohen Sicherheitsstandards in Deutschland hingewiesen, die eine solche Katastrophe unwahrscheinlich oder sogar unmöglich machen würden. In vielen anderen Ländern weltweit wird ebenfalls davon ausgegangen, dass die moderne Technik dazu in der Lage ist, die Kernkraft zu beherrschen und Katastrophen zu verhindern.
Ebenso in Japan.
Japan verfügt über geradezu Beispielhafte Sicherheitsstandards. Grund dafür ist die geographische Lage und die Gefahr von Erdbeben.
Wie also konnte es bei all den Sicherheitsstandards und der guten Technik, welche durchaus mit Sicherheitsstandards und Technik in Deutschland konkurrieren können, zu einer Katastrophe kommen?

Der Ausfall des Kraftwerks in Fukushima

Als das Erdbeben Japan erschütterte, schalteten sich wie vorgesehen die meisten Kernkraftwerke automatisch ab.
Man muss dazu sagen, dass Abschalten eigentlich der falsche Begriff ist.
Um ein Kernkraftwerk abzuschalten, werden Steuerstäbe in die Kerne gefahren, welche Neutronenabsorber enthalten, die die Kettenreaktion stoppen sollen.
Diese kommt allerdings nicht sofort zum Stillstand und vor allem nicht vollständig.
Es wird daher weiterhin Wärme produziert und daher muss auch weiterhin gekühlt werden.
In Fukushima sollte diese Kühlung durch Notstromaggregate gewährleistet werden, welche jedoch aufgrund des Tsunamis ausfielen. Daher wurde die Kühlung von Batterien ermöglicht, welche sich jedoch nach und nach entluden, bis die Kühlung ausfiel.
Mit dem Ausfallen der Kühlung kann sich der Kern immer weiter aufheizen, bis die Strukturen des Kraftwerks durch die Hitze beschädigt werden und es zur Kernschmelze kommt.
In Fukushima sind nun sogar 2 der Reaktoren bereits mindestens von einer teilweisen Kernschmelze betroffen und damit besteht die Gefahr eines doppelten Super-GAUs.

Diskussion um Atomausstieg in Deutschland flammt erneut auf

Aufgrund der Katastrophe in Japan entbrannte in Deutschland die Diskussion um den Atomausstieg erneut. Es heist zwar, es solle kein Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer ausgetragen werden, dennoch werden in der Politik heftige Diskussionen zu dem Thema geführt.
Atomkraftgegner fordern einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomkraft und machen damit natürlich auch Druck auf die Regierung.
Von Seiten der Atomkraftbeführworter hört man dagegen wieder einmal viel über die hohen technologischen und sicherheitstechnischen Standards in Deutschland. Außerdem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich bei diesem Erdbeben mit einer Stärke von 9,0 um eine Belastung gehandelt hat, wie sie in Deutschland gar nicht auftreten würde. Die deutschen Atommeiler seien also sicher vor einer ähnlichen Katastrophe.
Diese Argumentation scheint zunächst logisch, doch betrachtet man die Argumente genau, so erkennt man Fehler in der Argumentation.
Zunächst sind die technologischen und sicherheitstechnischen Standards in Japan den Deutschen durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar teilweise überlegen.
Außerdem zeigen Beispiele wie die vor kurzem ausgefallenen Klimaanlagen in Zügen der deutschen Bahn, dass auch die deutsche Technik nicht einwandfrei ist und es immer wieder bei der Wartung zu Fehlern kommen kann. Dazu kommt, dass auch in Deutschland teilweise verantwortungslos mit Gefahren umgegangen wird, wie das Beispiel der Schachtanlage Asse zeigt.
Das Argument, ein solches Erdbeben sei in Deutschland nicht denkbar, ist zwar richtig, allerdings sind die Atommeiler in Japan auf wesentlich höhere Belastungen durch Erdbeben ausgelegt als in Deutschland.
In Japan wurde von Erdbeben ausgegangen, aber auch diese Erwartungen wurden von dem Erdbeben der Stärke 9,0 übertroffen.
Auch in Deutschland wurden die Kraftwerke nach Sicherheitsstandards gebaut, die sich nach Erfahrungen aus der Vergangenheit richteten. Sollten diese Erfahrungen aus der Vergangenheit einmal in entsprechendem Maß überschritten werden, könnte es also auch bei uns kritisch werden.
Außerdem stehen auch in Deutschland Atommeiler in einer geologisch aktiven Zone, in der gerade Erdbeben eine Gefahr darstellen könnten. Die Rede ist vom Rheingraben. Sollte es hier zu einem unerwartet starken Beben kommen, sind die Auswirkungen nicht vorhersehbar.

Das Argument, die Technologie könne die Gefahren der Kernkraft bändigen, sollte man genau hinterfragen. Naturgewalten lassen und ließen sich bislang noch nicht vom Menschen bändigen und um diese geht es in diesem Zusammenhang.
Und wie man bereits aus Tschernobyl gelernt haben sollte, sind die Konsequenzen eines Versagens der Technik einfach zu groß und betreffen eine zu große Region, als dass man auch nur das kleinste Risiko eingehen sollte.



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